Von der Harznutzung waren bis um 1960 ganze Industrien abhängig. Dann verdrängten zunehmend synthetische Ersatzstoffe die natürlichen Destillationsprodukte Kolophonium, Harzöl und Terpentinöl.

Die ursprüngliche volkswirtschaftliche Bedeutung der Harznutzung war enorm:

Harzwerk Gesamtansicht
Das historische Harzwerk der Harzgenossenschaft in Markt Piesting mit den am Betriebsgelände gelagerten Harzfässern

1913 wurden im Inland, also um Wiener Neustadt, geschätzte 500 Waggon à 10 Tonnen produziert. Dem stand ein geschätzter Einfuhr-Bedarf von ca. 4.000 Waggon gegenüber, wobei vor Kriegsausbruch der weitaus überwiegende Teil der Importe von Kolophonium, Terpentin- und Harzöl aus den USA und Frankreich kamen. Da nicht nur die Lack- Seifen- und Papierindustrie von diesen Rohstoffen abhängig waren, sondern auch bestimmte Bereiche der Kriegswirtschaft, wurden alle Anstrengungen unternommen, um einerseits die Nutzungen in Niederösterreich zu optimieren, andererseits die Schwarzföhrengebiete in Bosnien und Herzegowina für die Harznutzung zu erschließen.

Der enorme Bedarf an Harz hat das heutige Waldbild im Schwarzföhrengebiet entscheidend geprägt. Freilich ist mit der fast schlagartigen Einstellung der Harznutzung auch ein ganzer Berufsstand, nämlich der der Pecher, und damit eine eigene Kultur verloren gegangen.

Heute erlebt die Pecherei im Piesting- und Triestingtal aufgrund der steigenden Nachfrage nach Naturprodukten eine Renaissance, wenn auch nur durch einzelne Pecher. Seit 2011 ist die Pecherei im südlichen Niederösterreich von der UNESCO als Weltkulturerbe gelistet. Die KEAföhrenen pflegen dieses traditionelle Handwerk und bieten eine Fülle an Harz- und Holzprodukten, sowie touristische Angebote in den Schwarzföhrenwäldern der Region.

Die Geschichte der Harznutzung ist für das 20. Jahrhundert gut aufgearbeitet vgl. dazu
GRÜNN, H., 1960: Die Pecher. Volkskunde aus dem Lebenskreis des Waldes. Niederösterreichische Volkskunde 1. Manutiuspresse, Wien-München.

Kaum bekannt ist aber die Geschichte der Pecherei und die ältesten Beschreibungen. Diese sind nun erstmals im Buch "Der Große Wiener Neustädter Föhrenwald mit Beiträgen zur Geschichte der Pecherei" umfassend dargestellt.

 

Inhalt von Botanische Beschreibung

Das Wachstum eines Baumes wird neben nahezu fixen Einflüssen (wie z.B. Nährstoffverfügbarkeit) in erster Linie durch das Klima beeinflusst. Die Bäume unserer Breitengrade bilden jährlich einen Jahrring aus. Die Jahrringbreite ist somit in erster Linie durch das Klima des laufenden Jahres bestimmt. Die Jahrringbreitenkurven von mehreren Jahren (zumindest 30) stellen somit ein eindeutiges „Muster“ dar, das sich selbst in Jahrhunderten nur einmal finden lässt – dies stellt die Grundlage der Dendrochronologie dar.
Nun kann man auch den Umkehrschluss machen, und aus datierten Jahrringserien das Klima der vergangenen Zeit bestimmen.

Das Wachstum der Kiefer im südlichen Niederösterreich wird sehr stark durch den Niederschlag bestimmt. Wenn man sich eine Schwarzföhre, die auf südlichen Kalkhängen wächst (wie z.B. im Piestingtal), vorstellt, wird es klar, dass die Temperatur während der Vegetationsperiode einen sehr geringen Einfluss auf den Zuwachs haben wird. Andererseits wird sie auf geringen Niederschlag sehr wohl mit einem schmäleren Jahrring reagieren.

Auf Grund dieses Reaktionsgefüges war es möglich, die Niederschlagsmenge im späten Frühjahr bzw. frühen Sommer zu rekonstruieren. Da ausreichend alte Schwarzföhren zur Verfügung standen, konnte eine Rekonstruktion über die Zeit der meteorologischen Aufzeichnungen hinaus erstellt werden. D.h. die Jahrringbreiten der Schwarzföhre erzählen uns – Jahr genau - ob es in der Periode von Mai bis Juli trocken oder feucht war, und das über die vergangenen Jahrhunderte.

Eine besondere Überraschung erlebten wir, als sich herausstellte, dass die Schwarzföhren am Alpenostrand nachweislich über 800 Jahre alt werden.

Text Literaturliste

a. Allgemein

Obwohl als Baum von der Weißföhre (Pinus silvestris L.) im Habitus und auch an den Nadeln deutlich zu unterscheiden, ist das Holz der Schwarzföhre (Pinus nigra A.) auf mikroskopischer Ebene nicht von dem der Weißföhre zu unterscheiden.

Weder der Querschnitt noch der Radial- bzw. Tangentialschnitt lassen an den einzelnen Zellformationen bzw. durch die Ausbildung der Zellen und Zellwände eindeutige Unterscheidungsmerkmale erkennen.

Auch das axial wie quer zur Stammachse verlaufende System von Harzkanälen gibt keinen sicheren Aufschluss über mögliche Unterschiede z.B. durch Häufung von Harzkanälen etc.

Betrachtet man jedoch einen Stammabschnitt, dann erkennt man zwischen der Weißföhre und der Schwarzföhre einen deutlichen Unterschied im jeweiligen Verhältnis von hellem Splintholz zu dünklerem Kernholz.

Der hohe Splintanteil bei Schwarzföhre ist wiederum die Ursache für den reichlichen Harzfluss aus dem Holzkörper bei etwaigen Verletzungen, wie sie auch bei der Harzung absichtlich provoziert werden. Grundsätzlich erfolgt die Harzbildung im Holzkörper streng lokalisiert in den Epithelzellen der Harzkanäle, die den Stamm in der Längs- und Radialrichtung durchziehen und dabei auch untereinander ein kommunizierendes Netzwerk bilden.

b. Verwendung und Einsatzpotentiale

Die Schwarzföhre verfügt über ein Eigenschaftsspektrum, das grundsätzlich ein sehr breites Anwendungsfeld ermöglicht. Gute Ware findet Einsatz im Bühnenbau und anderen Bautischlerarbeiten (z.B. Stiegenbau), es gibt wenig Tischlerware, häufige Verwendung als Dachstuhlholz bzw. Bauholz verschiedenster Art, als Profilholz im Innenbereich und für Außenschalungen, Einsatz für Kabeltrommel, Paletten und als Rundholz für Masten etc.

Die hervorragende Eignung für den Bühnen- und Stiegenbau ergibt sich u.a. durch die hohe Verschleißfestigkeit inklusive der Härte des Holzes. Durch den vergleichsweisen hohen Harzgehalt wird dabei das für Holz typische Knarren bei sich aneinander reibenden Holzteilen vermieden. Am Beispiel einer mehrschichtigen Massivholzdiele für den Fußboden ließe sich auch das Spektrum der anfallenden Güteklassen optimal einsetzen und eine dekorative Oberfläche mit hoher Verschleißfestigkeit erzielen.

Natürliche Merkmale wie Aststrukturen, besonders dekorative Zeichnungen usw. lassen sich durchaus auch im Möbel- und Innenausbau umsetzen, wobei die für Nadelholz vergleichsweise hohe Härte ein zusätzliches Argument sein kann.

Der starke regionale Bezug könnte in Verbindung mit dem Verständnis für die natürlichen Merkmale wie Äste, ausgeprägte Textur usw. ein wichtiges Verkaufsargument sein: Das Holz aus der Region in Holzprodukten für die Region.

Information

Üblicherweise ist über die Schwarzföhre nicht sehr viel bekannt, außer, dass sie sehr schwer und sehr harzreich ist! Dabei wird sie in wissenschaftliche Kreisen auch als „berühmteste Baumart Österreichs“ bezeichnet und das aus zwei Gründen: Sie wurde in Österreich erstmals botanisch richtig beschrieben und Samen aus Österreich wurde in die ganze Welt zur Aufforstung von Karst- und Dünenflächen verwendet, sodass sie international auch als „austrian pine“ - eben österreichische Föhre - bezeichnet wird.

Die Hauptbedeutung hat sie aber ihrem Harzreichtum zu verdanken. Die Pecherei war im südlichen Niederösterreich der Broterwerb für Generationen von Pechern, Waldbesitzern und Menschen, die diese Produkte zu Rohstoffen für die Papier-, Lack- und chemische Industrie weiterverarbeiteten. Die Schwarzföhren wurden dazu angeharzt, das heißt die Borke bis auf das Holz entfernt und so der Harzfluss angeregt. Das ausfließende Pech wurde zuerst in Eintiefungen am Fuße des Baumes, später in eigenen Häferln aufgefangen. Ende der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts kam aufgrund von billigen Importen und der synthetischen Erzeugung von Konkurrenzprodukten das Aus für diesen Wirtschaftszweig. Der Schwarzföhrenwald war über Nacht nichts mehr wert. Aufgrund der so überwiegenden Bedeutung der Harzverwertung wurde das Holz wenig bis kaum beachtet. Lediglich die Eigenschaft, dass sich durch den hohen Harzgehalt Löcher im Holz, die z.B. auf Bühnen durch das häufige Montieren und Entfernen der Kulissen entstehen, rasch wieder schließen, sicherte der Schwarzföhre die Verwendung als Bühnenboden. Das war natürlich für eine geregelte Holzverwendung zu wenig.

Mitte der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts begann die Nö. Landes-Landwirtschaftskammer im Rahmen mehrerer Untersuchungen, die holztechnologischen Eigenschaften des Schwarzföhrenholzes zu erforschen an deren Ende überraschende Ergebnisse standen. So ist das Holz der Schwarzföhre das härteste heimische Nadelholz und zudem schwer brennbar. Mehrere kleine und mittlere Sägewerke und ein Großsägewerk begannen vermehrt Schwarzföhren einzuschneiden und schufen damit einen Markt für das anfallende Holz.

Wissenschaftliche Untersuchungen über den Zusammenhang zwischen Klima und Jahrringverlauf der Schwarzföhren ergaben einen engen Zusammenhang zwischen Niederschlagsmenge in der Vegetationszeit und Breite der Jahrringe. Eine kleine wissenschaftliche Sensation war aber die Tatsache, dass im Zuge der Untersuchungen die Zeitreihen immer länger wurden. Die ältesten Bäume waren nachweislich über 800 Jahre alt. Diese stehen meist auf Felsen sind 25 bis 30 cm stark und nur wenige Meter hoch. Diese Bäume sind damit nachweislich die ältesten, wissenschaftlich datierten Bäume Österreichs.

Ein Autorenteam aus 17 Personen hat nun alles Wissenswerte über die Schwarzföhre in einem Buch mit über 400 Seiten zusammengetragen. Neben wissenschaftlich fundierten Beiträgen zur Baumart und ihren Eigenschaften, ihrem Vorkommen und den Holzeigenschaften und eine umfangreiche Darstellung der Pecherei und der Harzverwertung, runden Beiträge zur Wald- und Forstgeschichte, zu Schwarzföhren in Wappen, Lied, Gedicht, Sagen und Märchen, sowie eine Sammlung interessanter Bäume und Holzverwendungen das Bild ab.


 

Inhaltsverzeichnis


    1 Die Schwarzföhre in Österreich – die berühmteste Baumart Österreichs – Erforschungsgeschichte
    2 Der Baum und seine Eigenschaften – Morphologie
        2.1 Habitus - Aussehen
        2.2 Nadeln
        2.3 Blüte und Zapfen, Samen
        2.4 Wurzel
        2.5 Hybriden 1
        2.6 Krankheiten und Schädlinge – Pathologie und Gefährdungen 1
            2.6.1 Pilze – Triebsterben
            2.6.2 Tierische Schädlinge
            2.6.3 Abiotische Gefährdungen
        2.7 Das Alter
            2.7.1 Das Alter der Schwarzföhre – Ergebnisse von Jahrringstudien
            2.7.2 Die Methode der Dendrochronologie
            2.7.3 Das Untersuchungsgebiet
            2.7.4 Die Altersverteilung
            2.7.5 Was steckt in den Jahrringen der Schwarzföhre?
            2.7.6 Schlussfolgerungen
    3 Die Verbreitung
        3.1 Gesamtareal und genetische Differenzierung
        3.2 Verbreitung in Österreich
            3.2.1 Floristische Kartierung
            3.2.2 Österreichische Waldinventur
        3.3 Waldgeschichte
        3.4 Standortsansprüche
            3.4.1 Geologie, Böden und Relief
            3.4.2 Klima
        3.5 Natürliche Waldgesellschaften
            3.5.1 Niederösterreichisches Teilareal
            3.5.2 Kärntner Teilareal
        3.6 Bestandestypen und Waldbau
            3.6.1 Natürliche Schwarzföhren-Dauergesellschaften
            3.6.2 Schwarzföhre auf Standorten der Eichen-Trockenwälder
            3.6.3 Kontaktgesellschaft der Schwarzföhre zum Schneeheide-Kiefernwald
            3.6.4 Submontane Schwarzföhrenbestände auf Karbonat-Buchenwaldstandorten
            3.6.5 Schwarzföhre auf verschiedenen Laubwaldstandorten
        3.7 Naturwaldreservate (NWR)
            3.7.1 Das NWR Merkenstein-Schöpfeben
            3.7.2 Weitere Naturwaldreservate, in denen Schwarzföhre vorkommt
        3.8 Lebensraumtypen und Natura 2000
    4 Die Schwarzföhre in der Landschaft
        4.1 Schwarzföhrenwälder als Erholungsraum
        4.2 Der Große Föhrenwald zwischen Wr. Neustadt und Neunkirchen – ein Sanierungsfall
        4.3 Markante Schwarzföhren im südlichen Niederösterreich
        4.4 Schwarzföhren, veröffentlicht bei SECKENDORFF (1881) und heute, 125 Jahre später
    5 Das Holz – Eigenschaften und technologische Umsetzung
        5.1 Einleitung
        5.2 Erfahrungen mit dem Holz
        5.3 Holzbiologische Eigenschaften
        5.4 Die technischen Holzeigenschaften
        5.5 Verwendung und Einsatzpotential von Schwarzföhrenholz
        5.6 Was bedeutet das für die Schwarzföhre und welche Zukunftschancen ergeben sich daraus?
        5.7 Historische Verwendung des Schwarzföhrenholzes und Altersbestimmung am Beispiel des Dachstuhls des Schlosses Stixenstein
        5.8 Empfehlenswerte Holzverwendungen
    6 Vom Pechen und von der Harzverwertung
        6.1 Rund um den Harzberg - Pechwälder in Bad Vöslau und der näheren Umgebung
        6.2 Das Arbeitsjahr eines Berufspechers in Hernstein, Niederösterreich
        6.3 Die Harzgenossenschaft Piesting
        6.4 Die Harzgenossenschaft Piesting in den letzten Jahren ihres Bestandes
        6.5 Die Harzverwertung Hernstein
    7 Geschichte und Kultur
        7.1 Allgemein - Forst- und Nutzungsgeschichte
        7.2 Kultur-Geschichte der Schwarzföhre
            7.2.1 Gedanken zur Schwarzföhre aus dem Jahre 1831 – ein moderner Beitrag....?
            7.2.2 Franz HÖSS: Die Schwarzföhre – die unerkannte Baumart
        7.3 Wohlfahrtsaufforstungen im alten Österreich, ab Maria Theresia
            7.3.1 Von der „Kultivierung“ des Marchfeldes
            7.3.2 Josef RESSEL – Vater der (Schwarzföhren)-Karstaufforstungen bei Triest und Görz
        7.4 Nebennutzungen und (historische) Schwarzföhren-Produkte
            7.4.1 Von den Anfängen ...
            7.4.2 „Neben“Nutzen der Schwarzföhre: Pech, Holzteer, Gras, aber auch Holz
            7.4.3 Die Bedeutung der Schwarzföhre für Mollram
            7.4.4 Der Handel mit Kienholz, ein vergessener Wirtschaftszweig am Ostrand der Alpen
            7.4.5 Samengewinnung und Klenganstalten
        7.5 Schwarzföhren in Sammlungen und Literatur
            7.5.1 Schwarzföhre und ihre Produkte in Museen
            7.5.2 Wissen über die Schwarzföhren in Bibliotheken und Archiven
            7.5.3 Schwarzföhren – begreifbar präsentiert
        7.6 Sagen aus dem Föhrenwald
        7.7 Schwarzföhren in Gemeindewappen
        7.8 Schwarzföhren im Lied und Gedicht
        7.9 Die Schwarzföhre - Der Baum des Jahres 2000
    8 Anhang
        8.1 Autoren – kurzer „Steckbrief“
        8.2 Literaturverzeichnis
        8.3 Abbildungsverzeichnis
        8.4 Tabellenverzeichnis


Autoren

Prof. Hiltraud AST | DI. Richard BÜCHSENMEISTER | DI. Dr. Georg FRANK | DI. Dr. Michael GRABNER | AR. Fö. Ing. Johann KIESSLING |
DI. Herbert KOHLROSS | Friedrich LAURIA | Ofö Ing. Hans Peter MIMRA | DI. Franz PUCHEGGER | Prof. Mag. Helene SCHIEßL |
Alt-BGM Leopold SCHNEIDHOFER | Richard SCHREIECK | Rupert STINGL | Univ.-Prof. DI. Dr. Alfred TEISCHINGER |
Univ.-Prof. DI. Dr. Rupert WIMMER | Werner WINKLER | Univ.-Prof. DI. Dr. Kurt ZUKRIGL

Prof. Hiltraud AST

Geboren 1923 in Wien; nach Volksschule und Gymnasium in Wien-Döbling 1941 landwirtschaftliche Tätigkeit im Reichsarbeitsdienst; 1942 bis 1946 Studium der Physik an der Universität Wien; 1951 Verehelichung mit Dipl. Ing. Wilhelm Ast, Sekretär der Bezirksbauernkammer Gutenstein, Teilnahme an Dienstfahrten und Begegnung mit der Lebenswelt der Waldbauern; Aufbau einer volks- und gerätekundlichen Privatsammlung; 1965 gemeinsame Gründung des Waldbauernmuseums in der Alten Hofmühle zu Gutenstein, das Hiltraud Ast bis heute leitet; aus der Befassung mit Leben und Arbeit der Bevölkerung des Oberen Piestingtales entstanden zahlreiche dokumentarische Aufsätze und Bücher zur Volks- und Landeskunde; diese Leistungen wurden durch den Professortitel und mehrere Auszeichnungen anerkannt.


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Das Buch die „Schwarzföhre in Österreich“ ist leider vergriffen und nur mehr antiquarisch erhältlich. 

Die Schwarzföhre kommt in Österreich natürlich in verschiedenen Pflanzengesellschaften im Nordosten und Südosten der Kalkalpen vor, für deren Standorte Sommerwärme und trockene Karbonatböden bezeichnend sind.
Eigenständige, pflanzengeographisch unterschiedene Schwarzföhren-Waldgesellschaften wurden am Alpenostrand südlich von Wien und in Südkärnten beschrieben.

Kaum eine Baumart wurde so vielfältig wirtschaftlich genutzt wie die Schwarzföhre. Die Holzproduktion stand dabei nie wirklich im Vordergrund, vielmehr bestand die Hauptnutzung dieser Baumart fast immer in der Harzproduktion und Streunutzung.

Der Einfluss der Beweidung durch Schafe und Ziegen hat sicher zur Entmischung der Laubbaumarten und gleichzeitig zur Ausbreitung der Schwarzföhre beigetragen. Wie groß der Druck auf den Wald war, geht daraus hervor, dass in futterarmen Jahren sogar zerriebene Nadeln der Schwarzföhre als Futterersatz verwendet werden mussten. Der Großteil der künstlichen Anbauten des Steinfeldes wurde zum Zwecke der Streugewinnung angelegt. Nachdem im 18. Jahrhundert die Landwirtschaft auf den ärmsten Böden aufgegeben werden musste, war die Gewinnung von Streu die lebensnotwendige Voraussetzung für die Viehwirtschaft und die Düngung verbleibender landwirtschaftlicher Flächen.

Das Holz der Schwarzföhre wurde für alle Zwecke verwendet, bei denen es auf besondere Dauerhaftigkeit ankommt: im Erd- Wasser- und Brückenbau. Besonders beliebt war die Schwarzföhre als Holzstöcklpflaster, vor allem für Wasserleitungsrohre und für Holzdecks auf Schiffen. Der hohe Brennwert, etwa 97 % von dem der Buche, führte zur Verwendung als „Bäckerholz“.

Eine nicht zu unterschätzende wirtschaftliche Bedeutung der Baumart lag im Samenhandel für Anbauten weit außerhalb ihres natürlichen Areals. Dass Wiener Neustadt heute noch ein Zentrum der Forstsamenaufbereitung und des Samenhandels ist, verdankt es der großen Auslandsnachfrage für Schwarzföhrensaatgut ab 1845. Der große Bedarf für Aufforstungen von Ödland in Frankreich führte nach ersten Darrversuchen in bäuerlichen Backöfen zur ersten gewerbsmäßigen Samen-Darre in Niederösterreich, der bald weitere folgten.

Über ihr natürliches Verbreitungsgebiet hinaus wurde und wird die österreichische Schwarzföhre auf großen Flächen für Karstaufforstungen, aber auch für die Aufforstung von Dünen und Grenzertragsböden in Westeuropa verwendet. Schon 1831 wird von Saaten berichtet, die „seit einer Reihe von Jahren in der Steyermark, in Böhmen, Mähren, Ungarn, insbesondere auf der Herrschaft Hollitsch im Sandboden, ferner in Österreich auf der Herrschaft Liechtenstein und bei Neustadt u.s.w. mit sehr gutem Erfolge vorgenommen“ wurden. In den Kronländern der österreichisch-ungarischen Monarchie wurde der Anbau der genügsamen Baumart stark gefördert.

AussehenSchwarzfoehren Kronen

Mit ihren dunkelgrünen Nadeln, die sie besonders aus der Entfernung fast schwarz erscheinen lassen, trägt die Schwarzföhre (Pinus nigra ARNOLD = P. austriaca HOESS) ihren Namen durchaus zu Recht. Sie bildet in der Regel gerade, vollholzige Stämme aus und bei genügend Standraum eine breite, starkastige Krone, die häufig im Alter eine charakteristische Schirmform annimmt, vor allem auf flachgründigen Standorten.

Der Parapluiberg (parapluie = franz. Regenschirm) im südlichen Wienerwald verdankt diesen charakteristischen Schirmkronen seinen Namen.

Im Extrem, z. B. auf Korsika, kann die Schwarzföhre bei schlankem Wuchs bis 50 m hoch werden. In Österreich erreicht sie aber in der Regel nur 20–30 m, auf ihren natürlichen Extremstandorten nur um 5-10 m.

Die Schwarzföhre bildet eine schwarzgraue bis dunkelbraune Schuppenborke aus, oft im Alter, besonders in Freistand aber auch eine rotbraune, tiefgefurchte Tafel- oder Plattenborke.


Nadeln

Die (4)8-12(19) cm langen, 1-2 mm breiten, im Querschnitt halbrunden Nadeln sind mehr oder weniger starr, stachelspitzig und stehen wie bei Rotföhre (Weißkiefer, Pinus sylvestris L.) und Latsche jeweils zu 2 (ausnahmsweise 3), an der Basis von 10-12 mm langen, später kürzeren, häutigen Nadelscheiden umhüllt, an einem Kurztrieb.
Sie bleiben 3-5(8) Jahre am Baum.
Die Endknospen sind harzig und je stark zugespitzt; jene, in denen männliche Blütenzäpfchen entwickelt werden, zwiebelartig.


Blüte, Zapfen, SamenSchwarzfoehre Blueten Zapfen

Die Schwarzföhre blüht im Mai, etwa 10-14 Tage später als die Weißföhre. Die männlichen Blüten sitzen in gelben, eiförmigen Kätzchen, die zu 3-10 gehäuft an der Basis diesjähriger Zweige in der unteren Kronenhälfte stehen und sind größer als bei der Rotföhre. Die Mannbarkeit tritt im Freistand mit 15-20 Jahren, im Bestandesschluss mit 30-40 Jahren ein. Die weiblichen Blüten sind meist nur im oberen Teil der Krone als kurz gestielte, einzeln oder zu mehreren an der Spitze diesjähriger Triebe angeordnete, rote oder grüne Zäpfchen zu finden.
Die befruchteten Zäpfchen haben bis zum Herbst eine Länge von 13 und eine Breite von 9 mm, sind rötlichbraun und gestielt. Erst im nächstfolgenden Frühjahr beginnt das Wachstum der Zapfen wieder, diese sind erst im November des Folgejahres, also rund 20 Monate nach der Blütezeit vollständig ausgebildet.
Die rundlich-eiförmigen Zapfen sind wesentlich größer als bei der Rotföhre (5-8 cm), fast sitzend zu 2-4 beisammen und stehen meist rechtwinkelig ab, mit leicht oder stumpf gekieltem Schuppenschild. Der Nabel ist dunkelbraun und meist mit einem kaum spürbaren Dorn versehen.
Die Samen (5-7 mm lang, hellgrau, Flügel 4-5 mm lang) reifen im Herbst des 2. Jahres nach dem Pollenflug, doch öffnen die Zapfen meist erst bei zunehmender Sonnenwärme im zeitigen Frühjahr des Folgejahres.
Das Lösen der durch Wachs verschlossen gehaltenen Zapfenschuppen ist in der Nähe der Bäume deutlich mit tic, tic, tic zu hören. Sie werden alle 2-3 Jahre gebildet. Der Samen ist deutlich größer und durch seine helle Farbe leicht von den Samen der Weißföhre und der Bergföhre zu unterscheiden.


 

WurzelSchwarzfoehren karg

Die Schwarzföhre bildet eher Senkerwurzeln aus. Sie bildet weniger häufig als die Rotföhre ein Pfahlwurzelsystem und erweist sich als sehr anpassungsfähig an die Bodenverhältnisse.
Besonders markant ist ihre Fähigkeit, mit kräftigen, oft stark deformierten, aber trotzdem gesunden Wurzelsträngen in Felsspalten einzudringen und die mit Humus und Feinboden gefüllten Klüfte zu erschließen. In tiefgründigen Feinböden wiederum können die Senkwurzeln mehrere Meter tief reichen. Diese Fähigkeit verleiht der Schwarzföhre ihre bekannte Sturmfestigkeit.
In trockenen Gebieten verhindern jedoch verhärtete Schichten, wie die verkrusteten Kalkschotter des Wiener Neustädter Steinfeldes ein tieferes Eindringen.
Die Wurzeln breiten sich dann in den humosen Schichten stark seitlich aus und sind stark verpilzt. Unter dem Einfluss von Trockenheit und hohem Kalkgehalt des Bodens, die die Streckung der Zellen erschweren, können sich dabei die Wurzelspitzen sehr stark verdicken.
Bei höheren Feinbodenanteilen verzweigen sich die Feinwurzeln dicht büschel- oder fächerförmig.


Standortsansprüche

Als konkurrenzschwache Lichtbaumart, wenn auch zumindest in der Jugend weniger lichtbedürftig als die Rotföhre (Halblichtbaumart), kann sich die Schwarzföhre nachhaltig nur an Standorten behaupten, wo sie von anspruchsvolleren Arten, besonders Laubbäumen, nicht verdrängt werden kann.
Das ist außerhalb des eigentlichen mediterran-montanen Areals, so auf der Balkanhalbinsel und auch am Alpenostrand und in Slowenien, vor allem über Dolomit, dem klassischen Reliktsubstrat mit seinem grusigen Zerfall und ungünstigen Chemismus (Magnesiumreichtum) der Fall oder sehr reinen Kalken und hier besonders auf steilen Oberhängen, Rücken und im felsigen Gelände mit flachgründigen bis spaltengründigen Böden von Moder- bis zu Mullartigen Rendzinen. Ferner werden Kalk- und Serpentinböden in vergleichbarer Lage besiedelt, nur in den mediterran-montanen Teilarealen auch Silikatstandorte.
Am besten gedeiht die Schwarzföhre aber wie alle Baumarten auf tiefgründigen, frischen, lehmigen Böden und kann sich auch, wenn Konkurrenz fehlt, als Pionierart vorübergehend dort etablieren. Voraussetzung für das Ankommen der Verjüngung ist offener Boden, am besten nach Brand, der die Krautschicht und einen Teil der Humusauflage vernichtet hat (Brandkeimer).
Bei der Schwarzföhre ist der Wasserfaktor, nicht Kalk- oder Nährelementmangel, der begrenzende Faktor für ihre Wuchsleistung.


 

Klima

Die klimatische Spanne des Vorkommens der Schwarzföhre ist außerordentlich groß.
Für das niederösterreichische Schwarzföhrengebiet kann man etwa Jahrestemperaturen von 7 bis nahezu 10°C, um –0,5/-2° im Januar, 17 bis fast 20° im Juli und Niederschläge von 650-950 mm mit Sommermaximum annehmen.
Die Höhenverbreitung erstreckt sich hier im wesentlichen von 250-1250 m, Einzelbäume überschreiten am Schneeberg 1400 m.


 

Gefährdungen

Das Trieb- bzw. Kronensterben erfasst immer wieder die sekundären Bestände des Marchfeldes, tritt aber neuerdings auch in autochthonen Beständen an der Thermenlinie auf. Die primären Ursachen dieserSchwarzfoehre Triebsterben Krankheit scheinen nicht vollständig geklärt, unklar sind vor allem die Zusammenhänge zwischen dem Auftreten der Pathogene und möglichen Schwächungsfaktoren.
Außer Zweifel steht, dass biotische Faktoren unmittelbar zum Absterben der Triebe, Zweige und Äste führen, wobei pathogene Mikropilze entscheidend beteiligt sind.
Borken- und Prachtkäfer treten im Gefolge der Pilzinfektion in unterschiedlicher Intensität auf.
Haupt-Pathogen ist in den ostösterreichischen Schwarzföhrengebieten Sphaeropsis sapinea (= Diplodia pinea). Sphaeropsis verursacht seit 15 Jahren nahezu alle Triebsterbensprobleme bei der Schwarzföhre.
Bei dem seit 1991 in Ostösterreich grassierenden Schwarzföhrensterben waren bis etwa 2003 die naturnahen oder natürlichen Bestände am Alpenostrand verschont. Seit 2003 werden aber auch autochthone Bestände befallen.


 

Hybriden

Vereinzelt werden Individuen gefunden, die in einigen Merkmalen zwischen Schwarz- und Rotföhre zu stehen den Anschein haben und deshalb, meist von Forstleuten, als Hybriden aufgefasst werden. Leider fallen sie oft erst auf, wenn die Bäume gefällt sind.
Die Nadeln sind kürzer, die Zapfen kleiner, der Splint schmäler als normalerweise bei Pinus nigra üblich und an oberen Ästen kommen auch rote Rindenteile vor.
In diesem Zusammenhang sollte aber nicht vergessen werden, dass die Schwarzföhre, trotz ihres verhältnismäßig kleinen und zersplitterten Areals, in vielen Merkmalen eine erkleckliche Variationsbreite aufweist, was auf die Rotföhre mit ihrem riesigen, eurasiatischen Areal natürlich zumindest ebenso sehr zutrifft.
Wenn die beiden Föhrenarten in der Regel auch eindeutig voneinander unterschieden werden können, so überschneiden sich die Variationsbreiten in Merkmalen, wie beispielsweise Nadel- oder Zapfenlänge doch in erheblichem Ausmaß, sodass aus solchen Daten alleine, die ja eher den physiologischen Status des Individuums widerspiegeln, nicht a priori hybridogener Einfluss vermutet werden sollte.

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