Pech - das Gold aus dem Schwarzföhrenwald

Die Schwarzföhre ist von allen einheimischen Nadelholzarten die harzreichste. Das Harz, bei den Einheimischen als Pech bezeichnet, sammelt sich in Harzkanälen und wird bei künstlicher Verwundung frei. Chemisch gesehen ist das Pech, das eigentlich ein Balsam ist, aus Harzsäuren, Harzalkoholen, Phenolen, Estern von Harzsäuren und alkoholischen und ungesättigten Verbindungen, die den Hauptbestandteil bilden.

Es wurde hier in unserer Gegend durch Pecher gewonnen und im Laufe der Jahrhunderte auf verschiedene Art und Weise gesammelt, und zwar zunächst in Erd- bzw. Lehmgruben am unteren Stammende der Schwarzföhren, später in einem sogenannten Grandl oder Schrott (in einem ebenfalls am unteren Stammende herausgehackte Ausnehmung) und später in verschiedenen Töpfen (Pechhäferl aus Ton, Eternit, Glas, Blech).

1679 wird in Berndorf der Harzhandel erstmals urkundlich erwähnt, 1747 „das Pechbaum anhacken“ in Grillenberg. 1785 beschreibt Arnold in seiner „Reise nach Mariazell“ die Harznutzung durch die Pecher und Harzverwendung bereits detailliert: „Das Pech wird als weisses Pech, Schusterpech, Kolophonium oder Geigenharz verkauft“. Auch die Verwendung von „Wagenschmiere“ und „Terpentinöl“  findet Erwähnung. Zahlreiche Pechsiederhütten in vielen Orten der gesamten Region verarbeiten das Rohharz zu den Halbfabrikaten Terpentinöl und Kolophonium. 1853 kam es zur Gründung der Pechverarbeitungsfirma Franz von Furtenbach in Wiener Neustadt.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist in einem Dokument einer Pechsiederei in Ebensee (Salzkammergut) die Herstellung von „Bräuerpech“ (Braupech) aus Rohharz nachzulesen.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde begonnen die Harznutzung zu intensivieren. Durch die Industrialisierung benötigte man mehr Harzprodukte, vor allem Schmiermittel für Maschinen. Trotzdem war Österreich-Ungarn noch immer von Importen vor allem aus den USA und Frankreich abhängig. Nicht nur die Farben-, Seifen- und Papierindustrie benötigte diesen Rohstoff, sondern durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges 1914 besonders die Kriegswirtschaft.

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1909 folgte die Gründung der Landwirtschaftlichen Genossenschaft zur Verwertung der Pechprodukte in Piesting.
Als Blütezeit der Pecherei wird die Zwischen- und Nachkriegszeit im 20. Jahrhundert bezeichnet.  Mehrere tausend Familien haben haupt- oder nebenberuflich von der Harzgewinnung gelebt.

Ein hauptberuflicher Pecher musste demnach zwischen 3000 und 4000 Bäume bearbeiten. Altpecher erzählen, dass sie bis über 5000 Bäume gepecht haben. Die Arbeitszeit beim wöchentlichen Hobeln war 20 bis 30 Sekunden. Die Pecher sind bei ihrer Arbeit von Baum zu Baum gelaufen - und das oft im steilen unwegsamen Gelände und bei jeder Witterung.

In der Zwischenkriegszeit hatte das Wiener Neustädter Terpentinöl wegen ihrer hervorragenden Qualität sogar Weltruf: Es wurde in den Hafen von Triest gebracht und mit Schiffen in alle Welt exportiert.
Ab den 1960er Jahren kam es zu einem starken Preisverfall des heimischen Baumpechs. Grund waren einerseits Harz-Billigimporte aus dem Ausland und andererseits wurden immer mehr Produkte, die bisher durch Naturharz hergestellt wurden, durch Mineralöle oder andere chemische Präparate produziert (z.B. Kunst- statt Naturharzleime).
1963 schloss die Fa. Franz von Furtenbach ihr Werk, 1971 folgte die Harzfabrik in Piesting und 1978 jene in Pottenstein.

Heute besteht nur noch der Pecherhof Hernstein, der das Harz der letzten Pecher zu verschiedenen Produkten verarbeitet. Aber es gibt auch wieder neue Pecher, wie Robert Rendl aus Waidmannsfeld, der die Pecherei und Herstellung von Harzprodukten hauptberuflich ausübt. Und neue, innovative Produkte wie Kaugummi, Räucherkegel oder Raumduft sind ganz im Trend zu Naturprodukten und verleihen dem traditionellen Handwerk wieder Auftrieb.

Verwendet wurde das Harz als schon in der Frühzeit z.B. als Klebe- und Dichtmittel (Vorratsgefäße, Schiffbau) ebenso wie als Pechfackel und später als Geigenharz.

Heute verwenden mehr als 60 der größten Symphonieorchester der Welt das Geigenharz aus unserer Region zum Bestreichen der Geigenbögen (Kolophonium).
Es gilt als das qualitativ beste Kolophonium der Welt .


Auch der Kienspan, das harzhältige Holzstück, diente schon in vorgeschichtlicher Zeit als Beleuchtung für die Wohnplätze (Funde in Hallstatt ca 900 v.Chr.).

Quellen: Harznutzung und Pecherzeugung (Dipl.Ing. Dr. Herbert Kohlross), Die Pecher (Helene Grünn, 1960) 

 

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