Von der Harznutzung waren bis um 1960 ganze Industrien abhängig. Dann verdrängten zunehmend synthetische Ersatzstoffe die natürlichen Destillationsprodukte Kolophonium, Harzöl und Terpentinöl.

Die ursprüngliche volkswirtschaftliche Bedeutung der Harznutzung war enorm:

Harzwerk Gesamtansicht
Das historische Harzwerk der Harzgenossenschaft in Markt Piesting mit den am Betriebsgelände gelagerten Harzfässern

1913 wurden im Inland, also um Wiener Neustadt, geschätzte 500 Waggon à 10 Tonnen produziert. Dem stand ein geschätzter Einfuhr-Bedarf von ca. 4.000 Waggon gegenüber, wobei vor Kriegsausbruch der weitaus überwiegende Teil der Importe von Kolophonium, Terpentin- und Harzöl aus den USA und Frankreich kamen. Da nicht nur die Lack- Seifen- und Papierindustrie von diesen Rohstoffen abhängig waren, sondern auch bestimmte Bereiche der Kriegswirtschaft, wurden alle Anstrengungen unternommen, um einerseits die Nutzungen in Niederösterreich zu optimieren, andererseits die Schwarzföhrengebiete in Bosnien und Herzegowina für die Harznutzung zu erschließen.

Der enorme Bedarf an Harz hat das heutige Waldbild im Schwarzföhrengebiet entscheidend geprägt. Freilich ist mit der fast schlagartigen Einstellung der Harznutzung auch ein ganzer Berufsstand, nämlich der der Pecher, und damit eine eigene Kultur verloren gegangen.

Heute erlebt die Pecherei im Piesting- und Triestingtal aufgrund der steigenden Nachfrage nach Naturprodukten eine Renaissance, wenn auch nur durch einzelne Pecher. Seit 2011 ist die Pecherei im südlichen Niederösterreich von der UNESCO als Immaterielles Kulturerbe gelistet. Die KEAföhrenen pflegen dieses traditionelle Handwerk und bieten eine Fülle an Harz- und Holzprodukten, sowie touristische Angebote in den Schwarzföhrenwäldern der Region.

Die Geschichte der Harznutzung ist für das 20. Jahrhundert gut aufgearbeitet vgl. dazu
GRÜNN, H., 1960: "Die Pecher - Volkskunde aus dem Lebenskreis des Waldes". Niederösterreichische Volkskunde 1. Manutiuspresse, Wien-München.

Kaum bekannt ist aber die Geschichte der Pecherei und die ältesten Beschreibungen. Diese sind nun erstmals im Buch "Der Große Wiener Neustädter Föhrenwald mit Beiträgen zur Geschichte der Pecherei" umfassend dargestellt.

Viele verschiedene Aspekte zum Thema Pecherei, vom Werkzeug, Techniken und über die Geschichte bis zur Schließung der Harzgenossenschaft Piesting, aber auch über Markt Piesting selbst, finden sich in der 92-seitigen Broschüre "Pecher Pech und Piesting" von Erwin Greiner.

 

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