Das Wachstum eines Baumes wird neben nahezu fixen Einflüssen (wie z.B. Nährstoffverfügbarkeit) in erster Linie durch das Klima beeinflusst. Die Bäume unserer Breitengrade bilden jährlich einen Jahrring aus. Die Jahrringbreite ist somit in erster Linie durch das Klima des laufenden Jahres bestimmt. Die Jahrringbreitenkurven von mehreren Jahren (zumindest 30) stellen somit ein eindeutiges „Muster“ dar, das sich selbst in Jahrhunderten nur einmal finden lässt – dies stellt die Grundlage der Dendrochronologie dar.
Nun kann man auch den Umkehrschluss machen, und aus datierten Jahrringserien das Klima der vergangenen Zeit bestimmen.

Das Wachstum der Kiefer im südlichen Niederösterreich wird sehr stark durch den Niederschlag bestimmt. Wenn man sich eine Schwarzföhre, die auf südlichen Kalkhängen wächst (wie z.B. im Piestingtal), vorstellt, wird es klar, dass die Temperatur während der Vegetationsperiode einen sehr geringen Einfluss auf den Zuwachs haben wird. Andererseits wird sie auf geringen Niederschlag sehr wohl mit einem schmäleren Jahrring reagieren.

Auf Grund dieses Reaktionsgefüges war es möglich, die Niederschlagsmenge im späten Frühjahr bzw. frühen Sommer zu rekonstruieren. Da ausreichend alte Schwarzföhren zur Verfügung standen, konnte eine Rekonstruktion über die Zeit der meteorologischen Aufzeichnungen hinaus erstellt werden. D.h. die Jahrringbreiten der Schwarzföhre erzählen uns – Jahr genau - ob es in der Periode von Mai bis Juli trocken oder feucht war, und das über die vergangenen Jahrhunderte.

Eine besondere Überraschung erlebten wir, als sich herausstellte, dass die Schwarzföhren am Alpenostrand nachweislich über 800 Jahre alt werden.